Horst Otto Mayer/Johannes Hertnagel/Heidi Weber

LERNZIELÜBERPRÜFUNG IM eLEARNING

Lernziele als wesentlicher Aspekt im komplexen Lehr-/Lernprozess

Lernziele helfen den Lehrenden bei der Planung eines Lernprozesses, indem sie ihnen eine Unterstützung sowohl bei der Stoffauswahl als auch bei der Planung der Lehraktivitäten sowie der Evaluation der Lehre bieten. Den Lernenden wiederum dienen Lernziele zur Planung der Lernaktivitäten sowie zur Lernkontrolle. Ohne konkrete Ziele können Lehrende weder Lehrinhalte korrekt auswählen noch eine effiziente Lehrplanung durchführen und den Lernenden ist es nicht möglich, den Lernstoff zielführend auszuwählen sowie zu überprüfen, ob ihre Lernaktivitäten erfolgreich waren.

Ein Lernziel im Sinne eines Feinzieles ist eine festgelegte, so genau wie möglich beschriebene Kompetenz, die am Ende eines Lernprozesses von den Lernenden erreicht werden soll. Besonders in Selbstlernprozessen benötigen Lernende konkrete Lernzielvorgaben sowie ein qualifiziertes Feedback. Vielfach werden in eLearning-Programmen jedoch nur Multiple-Choice-Tests angeboten ohne zu überprüfen, ob diese für die einzelnen Fälle auch das geeignete Mittel darstellen. Auch wird häufig nicht auf das Niveau des zu überprüfenden Lernzieles geachtet und man begnügt sich mit der Kategorie Reproduzieren.

Ausgehend von einer Taxonomie der Lernziele arbeiten die AutorInnen hier ein Modell aus, mit dessen Hilfe den unterschiedlichen Lernzielniveaus entsprechende Kontrollaufgaben zugeordnet werden können. Dabei ist zu beachten, dass die zu erwerbende Kompetenz immer mit einem beobachtbaren Verhalten beschrieben werden muss, damit eine Lernzielüberprüfung überhaupt möglich ist.

Die Beschäftigung mit dem wichtigen Bereich der Lernziele darf jedoch nicht zu einer Reduzierung des breiten Feldes der Didaktik auf den Teilaspekt Effizienz führen. Lernziele sind nur ein Aspekt im komplexen Lehr-/Lernpro­zess, aber ein sehr wesentlicher, dem mit besonderer Sorgfalt zu begegnen ist. Auch sind nicht alle Aspekte eines Lernzieles operationalisierbar, also messbar. Dennoch sollte dies nicht dazu führen, von einer Konkretisierung von Lernzielen per se Abstand zu nehmen und sich mit der Hoffnung abzufinden, dass im Lehr-/Lern­pro­zess schon alles gut gelaufen ist bzw. dass das Lernen für die kommende Prüfung schon was nützen wird.

Dieses Buch ist sowohl für Leser konzipiert, die Hilfe bei der Entwicklung und Implementierung von Lernzielüberprüfungen in ihrem eLearning-Einsatz wünschen, als auch für jene, die einen entsprechenden theoretischen Hintergrund nachlesen möchten. Der Praktiker überspringt die Kapitel 2 bis 4 und schlägt diese eventuell zu einem späteren Zeitpunkt nach. Der theoretisch interessierte Leser findet hier verschiedene theoretische Querbezüge, auf die die weiteren Kapitel aufbauen.

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